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Langsam kommt es ans Licht - Ihre Polizei ist krank! Drucken
06.06.2009
 
Gewaltattacken, Frust, Stress und Überbelastung machen die Polizei krank
 
Die WAZ schrieb bereits am 29.05.09 dazu: "Ausgebrannt, frustriert, körperlich und psychisch zermürbt, weil sie immer öfter Opfer von Gewaltattacken sind..."
 
Jetzt bringt es eine Kleine Anfrage der Grünen ans Licht.
 
Der Polizeidienst macht krank.
 
"Mindestens 20 Prozent der 38 000 Polizisten in Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben des Innenministeriums häufiger als sechs Wochen im Jahr dienstunfähig."
"Viele Kollegen sind einfach am Ende ihrer Kräfte”, sagen die Polizeigewerkschaften. Sie zeichnen ein erschütterndes Bild aus dem Dienstalltag in deutschen Polizeibehörden.
 
Wechseldienste rund um die Uhr, ausufernde Bürokratie, eine immer dünner werdende Personaldecke bei gleichzeitig steigenden Anforderungen. Manche Kollegen hatten seit Anfang des Jahres 2009 noch kein Wochenende dienstfrei! Die GdP fordert veränderte Dienstzeiten, individuelle Lebensarbeitszeiten. "So aber raubt man ihnen eine Lebensperspektive. Sie werden in ein System gepresst, das nicht mehr zeitgemäß ist. Das macht krank."
 
Langsam kommt es ans Licht. Seit Jahresbeginn findet in den Polizeidienststellen das sog. „Betriebliche Eingliederungsmanagement” statt. Wer länger als sechs Wochen krank ist, wird zu einem vertraulichen Gespräch gebeten, um über die persönliche Situation zu sprechen. Was dort zur Sprache kam, schockierte die Vorgesetzen: „Die Lage einzelner Polizisten ist teilweise pure Verzweiflung und Sorge um die eigene Gesundheit und das Familienleben”.
 
Bereits im März diesen Jahres berichtete der Focus über die über 20%ige Zunahme von roher Gewalt gegen Kolleginnen und Kollegen.
 
Am 25.05.2009 erging nun auf die Kleine Anfrage 14/9292 die Antwort des Innenministeriums zum Thema "betriebliches Eingliederungsmanagement" und der Eingliederung von Schwerbehinderten. Im Rahmen dieser Anfrage wurden auch die krankheitsbedingten Fehlzeiten der Kolleginnen und Kollegen (Seite 2 und 3 der Anfrage) aufgezählt, die mehr als sechs Wochen am Stück dem Dienst fernbleiben mussten.
 
Dadurch wird deutlich, dass der andauernde Stress, steigende Gewaltübergriffe aber auch die Frustration über den Dienst sowie die mangelnde Wertschätzung des Dienstherren und die schlechte Ausrüstung ihre Spuren hinterlassen.
 
Ein kleines Beispiel: von den rund 1100 Polizeibeamtinnen und Beamten des Polizeipräsidiums Bonn waren im Jahr 2008 322 mehr als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt erkrankt (das sind gut 29% aller bonner Polizeibeamtinnen und -beamten!).
 
Hinzu kommt der weiter vorangetriebene Personalabbau!
 
Sie erinnern sich noch an den Alterstrukturbericht, aus dem hervorgeht, dass in den nächsten fünf Jahren mehr als 3000 Kolleginnen und Kollegen pensioniert werden aber nicht entsprechend gleich viele nachersetzt werden?
 
Lesen Sie nochmal auf den Seiten 13 des Alterstrukturberichtes nach, wie demnach die Alterstruktur der Polizei von Nordrhein-Westfalen bereits im Jahre 2015 aussieht!
 
Lesen Sie auf Seite 24 des Berichtes nach, wie die Entwicklung der Planstellen - incl. der Neueinsteiger und Angestellten und excl.  der 1222 Stellen, die künftig wegfallen werden (sog. kw-Stellen) - bei der Polizei aussieht.
 
Selbst wenn es in den nächsten Jahren bei dem sog. "Konzept 1100" bleibt, also pro Jahr 1100 neue Anwärterinnen und Anwärter in den Polizeivollzugsdienst eingestellt werden, so lesen Sie auf Seite 25 des Berichtes, dass es dennoch zu Personalabbau kommen wird, weil zum einen die "künftig wegfallenden" Stellen nicht neu besetzt und aufgrund der Überalterung mehr Kolleginnen und Kollegen in Pension gehen als nachrücken werden. 

In den Jahren 2013 bis 2020 gehen (mit stetiger Steigerung) zwischen 1000 und über 2000 Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand (Seite 27)! Zur Zeit rücken geplant aber nur pro Jahr maximal 1100 neue Kolleginnen und Kollegen nach; vorausgesetzt, die Pläne zu den  Einstellungsermächtigungen derartiger Zahlen wird über die nächste Legislaturperiode von der Nachfolgeregierung in Nordrhein-Westfalen auch weiter fortgetrieben!
 
Der Bericht weist auch aus, dass die Einstellungsermächtigungen deutlich heraufgesetzt werden müssten. Die von der jetzigen Landesregierung vorgenommenen Unternehmungen dazu sind sicher lobend zu erwähnen, sie reichen aber nicht aus!
 
Der Hinweis auf die Kosten und Finanzierbarkeit dürfen kein Grund für Sparmaßnahmen in diesem Bereich sein.
Gibt es in der momentanen Finanzkrise genügend Gelder für Banken und Autobauer, so muss es auch Finanzmittel für die Garantie der Inneren Sicherheit geben!
 
Personalabbau im großen Stil und Arbeitsverdichtung sind die falschen Maßnahmen!
 
WIR prognostizieren: die Zahlen zu krankheitsbedingten Ausfällen aufgrund von Überbelastungen werden in den nächsten Jahren zunehmen! Allein das sollten jeden  aufhorchen lassen!
 
Wann ist Schluss mit der Schönfärberei?
 
Wann wird das Innenministerium verstehen, dass der Beruf der Polizistin/des Polizisten zunehmend mehr Anforderungen an den einzelenen Beamten stellt?
 
Schon jetzt ist aus dem "Konzept 1100" des Einstellungsjahrganges 2008 ein "Konzept 1076" geworden. Wer weiß, wieviele Anwärter aufgrund der harten Bedingungen des neuen Bachelorstudienganges noch scheitern werden!?
 
Verstehen Sie uns richtig: WIR wollen eine gut ausgebildete und professionelle, somit  eine leistungsstarke Polizei in Nordrhein-Westfalen.
 
Aber wie kann es sein, dass nach dem ersten halben Jahr 268 Studierende (das sind fast 25%) des neuen Bachelorstudienganges die ersten Leistungsklausuren nachschreiben mussten und Gefahr liefen aus dem Dienst auszuscheiden?   
 
 
Auf den sukzessiven Stellenabbau bei der Polizei weisen WIR bereits seit dem Jahr 2006 hin.
 
 
Der General-Anzeiger online schreibt: "Bonn hat die meisten kranken Polizisten" (und kommt auf 24%, weil er die Angestellten mit einbezieht.)
 
 
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