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| Polizisten gründen Interessenvertretung (Neue Westfälische) |
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Polizisten gründen unabhängige Interessenvertretung (24.11.2006)
Bielefeld (cos). Nach der Fußball-WM schrieb Innenminister Ingo Wolf an seine Polizisten: "Danke für vier Wochen Dauereinsatz." Etwas später kam Wolfs nächste Botschaft: Weihnachtsgeld wieder gekürzt. "Das war ungeschickt", sagt Joachim Barz, und er steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Mit sieben Kollegen versucht er, landesweit eine politisch unabhängige Polizei-Interessenvertretung zu etablieren, die "Aktion wir". Binnen vier Monaten haben 1.000 Kollegen ihre Unterstützung bekundet. Mancher Polizeichef beäugt die Aktion aber argwöhnisch.
Mit sieben Kollegen aus dem Land hatte sich Barz nach der WM getroffen, "um etwas zu tun". Zwar gibt es drei Polizeigewerkschaften, aber von denen ist die "Aktion wir" enttäuscht. Die Polizei sei überproportional von Kürzungen betroffen, die Gewerkschaften hätten allenfalls Schadensbegrenzung betrieben. Barz: "Ein verheirateter Kollege mit Kindern kann sich jetzt keinen Urlaub mehr leisten." Die acht Kollegen gründeten einen Verein, bauten eine Internetseite mit Forum, und sie steckten Ziele ab. Keinesfalls solle sich die "Aktion wir" zu einer weiteren Gewerkschaft entwickeln. "Die Zeit der Trillerpfeifen ist vorbei", sagt Barz zu den Gewerkschaftsgroßdemos. "Dialog mit dem Dienstherrn" wollen die Polizisten, und sie wollen zeitgemäße Formen des Protests. Noch dieses Jahr will die "Aktion wir" mit einem detaillierten Fragebogen die Arbeitsbedingungen und -zufriedenheit der Kollegen im Lande erfassen. Vom EU-Gerichtshof wollen sie prüfen lassen, ob Beamte wirklich nicht streiken dürfen. Sie haben eine Online-Demo konzipiert und ihre Kollegen aufgefordert, zeitgleich individuell ihre Sorgen zu formulieren und dem Minister zukommen zu lassen. Zwar haben sich schon 1.000 Polizisten registriert, aber die "Aktion WIR!" ist längst nicht jedem bekannt. 10.000 Flyer wollten die streitbaren Polizisten in verschiedenen Behörden verteilen – und durften nicht. Das könne Folgen für die Karriere haben, hörten die Beamten unter anderem in Gütersloh. Barz versteht das nicht: "Was wir tun, sollten eigentlich die Gewerkschaften tun. Das ist im Sinne jedes Polizisten." |
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